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Michael Staab

Theater-Regisseur und Künstler. Performativ bespielte Rauminstallationen. Ausstellungsrealisationen, Ausstellungsgestaltung und kuratorische Arbeit. Texte, Vorträge und Lehre zu Themen der zeitgenössischen Kunst. Künstlerische Projekträume Atelier LABOR und Atelier PRAXIS, beide in Köln.

Natural Mobility

Eine performative Intervention


Ein Performer mit einer Rolle Absperrband in der Hand umrundet mehrere Stunden lang zu Fuß einen Parkplatz der von zwei Bäumen begrenzt ist. Nach und nach wird so der Parkraum dicht umwickelt und damit für Autos unbenutzbar. Dabei wird vom Performer zwar eine große Strecke zurückgelegt, aber keine Distanz geschaffen.

Statt als Abstellfläche für den ruhenden Verkehr zu dienen, wird der Parkraum aktiv genutzt und mit einem Gebilde besetzt, das nach und nach aus vielen aktiven Bewegungen im Verkehrsraum entsteht. Je öfter die kreisende Bewegung vom Performer durchgeführt wird, desto raumgreifender und sichtbarer wird das Ergebnis einer kreativen und individuellen Handlung im Stadtraum. Das aus einer natürlichen Bewegung um zwei Bäume herum entstehende Bandgeflecht ähnelt dabei ganz bewusst einem Kokon, also einer sehr organischen Struktur, mit der man Ruhe, Schutz und Privatheit verbindet.

Parken hat immer eine Schlüsselfunktion zwischen Bewegung und Stillstand, zwischen Öffentlichkeit und Privatheit. Wenn irgendwo ein Auto parkt, heißt das auch, dass sein abwesender Besitzer gerade unterwegs ist, um zu handeln oder dass er sich im privaten Raum befindet. Ein bewegungsloses Auto ist immer auch ein Hinweis auf Handlung und Bewegung, die gerade an einem anderen Ort stattfindet. Andererseits behindert das parkende Auto den Bewegungsfreiraum der anderen Menschen in seiner Umgebung und verhindert, dass ein weiteres Auto an dieser Stelle abgestellt werden kann und dessen Besitzer nach dem Parken dann frei handeln kann. Er muss zunächst weiterfahren, obwohl er am Ziel ist, um dann woanders zum stehen zu kommen.

Die Performance Natural Mobility ist eine minimalistische Demonstration der Möglichkeiten, Auswirkungen und Zusammenhänge unterschiedlicher Bewegungsmomente und Handlungsinteressen in der Gesellschaft. Sie verbindet die Gegensatzpaare öffentlicher Raum und abgeschlossene Privatheit. Welcher Stadtraum von uns wie genutzt wird, hängt nicht zwingend von Regularien und Anweisungen ab, sondern vielmehr vom aktiven Handeln des Individuums und der sozialen Interaktion. Dieses Handeln gestaltet die Stadt in der wir leben auf die eine oder die andere Weise.
 



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